Qualifizieren statt entlassen


Gemeinsame Pressemitteilung
Köln, 15.12.2008: Bundesweit nutzt erstmals ein Personaldienstleister die Kombination von Kurzarbeit und Qualifizierung.

Auftragsrückgänge – insbesondere im Bereich Fahrzeugbau nebst Zulieferindustrie – bedrohen Arbeitsplätze in der Zeitarbeit. Der Abbau von aufgebauten Zeitguthaben oder Betriebsferien sind erste Reaktionen auf die verringerte Auslastung des Betriebes. In einem nächsten Schritt können durch Kurzarbeit betriebliche Überkapazitäten abgebaut werden.

In Köln verständigten sich Agentur für Arbeit, der Personaldienstleister Adecco und die IG Metall darauf, durch eine Kombination von Kurzarbeit und beruflicher Qualifizierung 253 Arbeitsplätze zu erhalten. Erstmals nutzt ein Personaldienstleister diese Möglichkeit.

„Mit Kurzarbeit verhindern wir Entlassungen und vermeiden so Arbeitslosigkeit von Menschen in Köln und der Region. Die Betriebe behalten ihre eingearbeiteten Mitarbeiter und sind für die nächste Aufschwungphase personell vorbereitet. Denn nach dem Aufschwung ist vor dem Aufschwung“, erklärt Peter Welters, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln. Er begrüßt die Verständigung zwischen Betrieb und Gewerkschaft, auf das Instrument Kurzarbeit zu setzen, statt zu entlassen. „Die mit Kurzarbeit gewonnene Zeit kann das Unternehmen nutzen, um neue Arbeit für seine Beschäftigten zu akquirieren. Neu ist, dass wir in der Zeit der Kurzarbeit die betroffenen Arbeitnehmer qualifizieren. Wir verbessern damit zum einen die künftigen Einsatzmöglichkeiten bei ihrem jetzigen Arbeitgeber. Zum anderen helfen wir ihnen durch eine berufliche Weiterbildung, ihre generellen Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern. Hier verbinden sich die Interessen von Betrieb und Mitarbeitern. In Zukunft werden qualifizierte Mitarbeiter gebraucht.“

„Unser vorrangiges Ziel ist es Arbeitsplätze zu erhalten und Mitarbeiter weiter zu qualifizieren“, sagt Uwe Beyer, Geschäftsführer Adecco Personaldienstleistungen. „Fachkräfte besitzen bei weiterer Förderung die besten Zukunftsaussichten auf dem Arbeitsmarkt. Die konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Agentur für Arbeit, der IG Metall und Adecco hat verdeutlicht, dass man gemeinsam neue Impulse zum Wohle der Mitarbeiter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schaffen kann.“

„Alleine durch den Schulterschluss mit Dr. Witich Roßmann, dem Verhandlungsführer der IG Metall, ist es uns gemeinschaftlich gelungen Arbeitsplätze zu erhalten.“, sagt Raymond Opszalski, Personalbevollmächtigter Adecco Personaldienstleistungen.

„Nachdrücklich hat sich die IG Metall dafür eingesetzt, dass auch die Zeitarbeitsunternehmen sich in der schwierigen wirtschaftlichen Lage für die Aufrechterhaltung eines hohen Beschäftigungsniveaus engagieren“, erklärt Dr. Witich Roßmann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Köln-Leverkusen. „Es ist uns in harten Verhandlungen gelungen, hier erstmals die Arbeitsmarktinstrumente Kurzarbeit und Weiterbildung intelligent zu kombinieren und so Menschen in Beschäftigung zu halten. In der Zeitarbeitsbranche arbeiten viele jüngere Arbeitnehmer mit eher geringen formalen Qualifikationen. Ein hoher Anteil stammt aus Migrantenfamilien. Der drohende Arbeitsplatzverlust birgt jede Menge sozialen Sprengstoff. Die Unternehmen der Region, aber auch die Einrichtungen der Stadt Köln und der umliegenden Kreise bleiben daher aufgefordert, ebenfalls solch innovative Lösungen zu nutzen um vorbeugend die Situation zu entschärfen.“

Mit den betroffenen Mitarbeitern ermitteln Adecco und Arbeitsagentur jetzt gemeinsam den individuell erforderlichen Qualifizierungsbedarf. Dieser wird voraussichtlich überwiegend in den Bereichen Schweißen, Lager und Logistik, CNC-Programmierung sowie Elektronik und Mechatronik angesiedelt sein. Die Förderung erfolgt mittels eines Bildungsgutscheins.

Kurzarbeit steht grundsätzlich allen Betrieben offen, die aus wirtschaftlichen Gründen einen erheblichen, unvermeidbaren Arbeitsausfall haben und bei denen mindestens ein Drittel der Beschäftigten mehr als zehn Prozent Lohnausfall monatlich hinnehmen muss. Die Beschäftigten verbrauchen zunächst Zeitguthaben und Urlaub, bevor die Kurzarbeit beginnen kann.

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, rechnet das Unternehmen monatlich rückwirkend mit seiner Arbeitsagentur ab: Standen die Bänder beispielsweise eine Woche pro Monat still, zahlt die Agentur im Nachhinein für diese Woche Kurzarbeitergeld. Der Arbeitgeber zahlt während der Kurzarbeit die Sozialabgaben der betroffenen Mitarbeiter, während die Arbeitsagentur für Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind 67 Prozent und für die übrigen Arbeitnehmer 60 Prozent des pauschalierten Nettogehalts trägt.

Um die Vorteile des Kurzarbeitergeldes nutzen zu können, ist eine schriftliche Anzeige des Arbeitsausfalls bei der Agentur für Arbeit erforderlich. Die dafür notwendigen Vordrucke erhalten Arbeitgeber persönlich bei der Arbeitsagentur oder im Internet unter www.arbeitsagentur.de (=> Unternehmen => Finanzielle Hilfen => Kurzarbeitergeld).

Interviewvermittlung:

Agentur für Arbeit Köln
Wolfgang van Ooyen
Pressesprecher
Tel: 0221 94294400
E-Mail: Koeln.Presse@arbeitsagentur.de

Adecco
Dorothea Winne
Pressesprecherin
Tel: 0211 30140233
E-Mail: Dorothea.Winne@adecco.de

IG-Metall
Dr. Witich Rossmann
Geschäftsführer
Tel: 0221 951524-(0)-11
Mobil: 0170 3333225
E-Mail: Witich.Rossmann@igmetall.de